Zum Inhalt springen

News & Informatives · 2026-10-25 · 7 Minuten

Unterschied zwischen Jira und Jira Service Management

Der Beitrag vergleicht Funktionen und Lizenzmodell beider Produkte und fasst die Änderungen seit 2024 zusammen. Dazu kommt eine Einordnung, wann Jira, JSM oder beides passt.

Autor

Stephan Hannach

Mit Jira planen und erledigen Teams ihre eigene Arbeit. In Jira Service Management (JSM) bearbeitet ein Team die Anfragen anderer, über ein Portal, in Queues und mit SLAs.

Atlassian hat in der Cloud mehrere Begriffe geändert. Projekte heißen jetzt Spaces, auch in JSM. Vorgänge (englisch Issues) heißen in der aktuellen Dokumentation Work Items. Wir verwenden die neuen Begriffe. JSM ist seit 2025-10-07 eine App der Service Collection, zusammen mit Customer Service Management (CSM), Assets und Rovo, den KI-Funktionen von Atlassian. Alle Angaben beziehen sich auf die Cloud, Stand 2026-10-25. Zu Data Center folgt ein eigener Abschnitt.

Funktionen im Vergleich

Die Tabelle nennt nur Funktionen, die Atlassian auf Preis-, Lizenz- oder Supportseiten belegt. Die Editionen in der rechten Spalte sind die Pläne der Service Collection.

FunktionJiraJSMEdition in JSM
Kundenportal, Help Center, Anfragetypennicht aufgeführtja, Anfragen per Portal, E-Mail, Microsoft Teams, Slack und Widgetab Free
Queues und SLAsnicht aufgeführtjaQueues ab Free, für SLAs offen
WissensdatenbankConfluence als eigenes Produktintegriert, technisch über Confluence; Confluence muss auf der Site sein, ein Kauf ist nicht nötigab Free
Incident Management (Basis)nicht aufgeführtIncident-Kategorie und Incident-Queuesab Free
Alerts und On-Call-Plänenicht aufgeführtja, übernimmt die Rolle von Opsgenieab Free
Erweitertes Incident Management, Major Incidents, Post-Incident Reviews, Problem und Change Managementnicht aufgeführtjaPremium, Enterprise
Assets (CMDB)offenja, inklusive Objekte: 5.000 in Standard, 50.000 in Premium, 500.000 in Enterpriseab Standard
Automationjajaalle
AnsichtenBacklog, Board, Timeline, Kalender, Liste, PlansBoard, Liste und Kalender; Backlog, Timeline und Plans offenoffen
Virtueller Service-Agent (KI)nicht aufgeführtjaPremium, Enterprise

„Nicht aufgeführt“ heißt: Atlassian nennt die Funktion im Umfang von Jira nicht. Das ist unsere Lesart, keine ausdrückliche Aussage von Atlassian. „Offen“ heißt: Dazu haben wir keine Atlassian-Quelle gefunden.

Lizenzen: Benutzer in Jira, Agents in JSM

Jira rechnet je Benutzer ab. Der Free-Plan reicht für bis zu 10 Benutzer und 2 GB Speicher. Dort ist jeder Benutzer Admin, Berechtigungen auf Space- oder Work-Item-Ebene gibt es nicht. Ab Standard sind bis zu 100.000 Benutzer je Site möglich. Externe Personen laden Sie ab Standard als Gäste ein, ohne dafür einen bezahlten Platz zu belegen.

JSM rechnet je Agent ab. Atlassian versteht darunter einen Benutzer, der Tickets bearbeitet und direkt mit Kunden kommuniziert. Kunden, die Anfragen stellen, sind kostenlos und unbegrenzt. Der Free-Plan erlaubt bis zu 3 Agents und 2 GB Speicher, Standard bis zu 100.000 Agents.

Für interne Kommentare brauchen andere Teams keine Agent-Lizenz. Jira-Benutzer können ohne sie in Tickets intern kommentieren und Tickets beobachten. Die Zahl der Jira-Lizenzen und der Service-Collection-Lizenzen muss nicht gleich sein.

Eine Service-Collection-Lizenz umfasst JSM, CSM und Assets, einzeln sind die Apps nicht erhältlich. Die meisten bisherigen JSM-Kunden stellt Atlassian nach eigener Aussage bei der Verlängerung automatisch um. Aus 160 JSM-Lizenzen werden dann 160 Service-Collection-Lizenzen.

Was sich seit 2024 geändert hat

Wer JSM vor 2024 kennengelernt hat, findet heute andere Pakete und Namen. Die Änderungen in zeitlicher Reihenfolge:

DatumÄnderung
2024-05-01Jira Software und Jira Work Management werden zu Jira. Organisationen mit Jira Work Management behalten es bis zur Migration, die Atlassian für Anfang 2025 angekündigt hat.
2024-10-16Neue Pakete für JSM Cloud: Erweitertes Incident-, Problem- und Change-Management gibt es nur noch in Premium und Enterprise. Für Assets und den virtuellen Service-Agent rechnet Atlassian nach Verbrauch ab.
2025-06-04Atlassian verkauft Opsgenie nicht mehr, die Funktionen gehen in JSM auf. Der Support endet 2027-04-05. Dann schaltet Atlassian den Zugang ab und löscht nicht migrierte Daten.
2025-09-08Atlassian kündigt das Ende von Data Center an, die Fristen stehen weiter unten.
2025-09-29Projekte heißen in allen Jira-Cloud-Produkten Spaces, auch in JSM. Premium und Enterprise folgen ab 2025-10-20. Laut Atlassian ändert sich nur das Wort.
2025-10-07Start der Service Collection. JSM ist seitdem eine App darin, neben dem neuen Customer Service Management (CSM), Assets und Rovo.
2026-09Rovo Service heißt jetzt Request Resolver, Rovo Ops heißt jetzt Ops Expert.

Ziel der Opsgenie-Migration ist laut der aktuellen Migrationsseite von Atlassian JSM.

Wann Jira, wann JSM, wann beides

Atlassian beschreibt Jira als flexibles Projektmanagement. Spaces sind dort Container für Arbeit rund um Projekte, Teams oder Themen. JSM ist laut Atlassian für internen Support und den IT-Betrieb gebaut. Für externen Kundenservice ist CSM gedacht, JSM für internen IT- und Mitarbeiter-Service.

Unsere Einordnung, keine Aussage von Atlassian:

  • Nur Jira: Teams planen und erledigen ihre eigene Arbeit, etwa in der Softwareentwicklung, in Projekten oder in Fachabteilungen. Anfragen von außen kommen selten vor.
  • Nur JSM: Ein Team beantwortet Anfragen anderer, etwa in IT, Personalabteilung oder Facility Management. Es braucht Portal, Queues und SLAs, aber keine eigene Entwicklung.
  • Beides: Support und Entwicklung arbeiten auf einer Site. Kundenmeldungen werden zu verknüpften Work Items im Space der Entwicklung.
  • Externer Kundenservice: Hier kommt seit 2025-10 auch CSM in Frage. Es ist in der Service-Collection-Lizenz enthalten.

Wie die Verbindung funktioniert, beschreibt Atlassian am Beispiel von Fehlermeldungen. Der Agent legt aus der Kundenanfrage ein verknüpftes Work Item im Jira-Space der Entwicklung an. Ist es erledigt, informiert JSM den Agent automatisch. Die Entwickler brauchen dafür nur eine Jira-Lizenz.

KI in Jira Service Management

Rovo umfasst Suche, Chat, Studio und KI-Agenten. Atlassian aktiviert Rovo automatisch in den Cloud-Plänen Standard, Premium und Enterprise. Free-Pläne nennt Atlassian in dieser Aufzählung nicht. Zwei KI-Funktionen sind auf die Arbeit mit Anfragen zugeschnitten.

Der virtuelle Service-Agent beantwortet Kundenfragen aus der verknüpften Wissensdatenbank oder führt durch festgelegte Gesprächsabläufe. Findet er keine Lösung, bietet er an, ein Work Item für einen menschlichen Agent anzulegen. Ihn gibt es nur in Premium und Enterprise der Service Collection. Enthalten sind 1.000 betreute Gespräche (assisted conversations) im Monat beim Monatsabo, beim Jahresabo 12.000 im Jahr.

Request Resolver hieß bis 2026-09 Rovo Service und ist seit 2026-04-01 allgemein verfügbar. Der KI-Agent erstellt für eingehende Serviceanfragen einen Lösungsplan und führt ihn aus. Er arbeitet in zwei Modi: beaufsichtigt, wobei ein Mensch ihm die Anfrage zuweist, oder autonom. Bei unsicheren oder nicht umkehrbaren Schritten pausiert er.

Request Resolver übernimmt nur Anfragetypen der Kategorie Service Request. Für die Bearbeitung von Anfragen gibt es ihn ab Standard, für Onboarding ab Premium. Jeder erzeugte Lösungsplan kostet 100 Rovo Credits, Ausführung und Nachbesserung sind kostenlos.

Auch Rovo-Agenten im Portal und Antwortvorschläge verbrauchen Rovo Credits. Die Service Collection enthält je Nutzer und Monat 250 Credits in Standard, 700 in Premium und 1.500 in Enterprise. Jira enthält 25, 70 oder 150. Die Credits bilden einen gemeinsamen Pool der Organisation, der jeden Monat neu beginnt, ohne Übertrag.

Ab 2026-12-03 rechnet Atlassian Mehrverbrauch ab. Die Einstellung Extra usage ist standardmäßig eingeschaltet, Admins setzen Ausgabengrenzen oder schalten sie ab. Den Verbrauch sehen sie unter Atlassian Administration > Insights > Platform usage > Rovo credits.

Auf Team '26 Europe hat Atlassian weitere KI-Funktionen für JSM angekündigt. Bei einigen widersprechen sich die Angaben zum Status, etwa bei der Zuweisung von Work Items an KI-Agenten. Wir lassen sie weg, bis die Supportdokumentation sie beschreibt.

Jira und JSM auf Data Center

In Data-Center-Plänen gibt es JSM und Assets weiterhin, die Service Collection nur in der Cloud. Den vollen Umfang von Rovo gibt es nur mit einem Cloud-Plan. Für Jira Data Center bietet Atlassian lediglich Rovo Data Center connectors an. KI-Agenten wie Request Resolver beschreibt Atlassian nur in der Cloud-Dokumentation. Bei der Umbenennung in Spaces nannte Atlassian für Data Center keine konkreten Pläne.

Unsere Einschätzung: Wer JSM auf Data Center betreibt, wechselt mit dem Umzug in die Cloud auch in die Service Collection. Lizenzen und Credit-Kontingente gehören deshalb in dieselbe Planung.

Schulungen zu Jira und JSM

In der Schulung Jira Service Management richten Sie an einem Tag Kundenportal, Queues, SLAs, Automationen und Berichte ein und lernen die KI-Agenten in JSM kennen. Den Alltag mit Work Items, Boards, Suche und Dashboards übt die Schulung Jira für Anwender. Felder, Workflows und Berechtigungen eines Spaces konfigurieren Sie nach der Schulung Jira für Projektadministratoren selbst. Alle Formate finden Sie in der Übersicht der Jira Schulungen.

Quellen

Zurück zur Übersicht

Mehr lesen

Ähnliche Beiträge

Kontakt

Sprechen wir über Ihr Vorhaben

Schildern Sie uns kurz Ihre Ausgangslage

Sie erreichen uns telefonisch oder über das Formular.