Atlassian hat auf der Team '26 Europe in Amsterdam gezeigt, wie Menschen und KI-Agenten künftig in Jira und Confluence zusammenarbeiten. Agenten bekommen eine zugewiesene Identität, klar begrenzte Befugnisse und hinterlassen ihre Arbeit sichtbar am Work Item.
Ich habe die Founder Keynote am 2026-10-07 vor Ort in der RAI verfolgt. Für mich ist das der Schritt von der Demo in den Betrieb. Menschen und Agenten arbeiten dann in denselben Jira-Vorgängen und Confluence-Seiten.
Die Ankündigungen im Überblick
Atlassian fasst die Neuerungen unter AMP zusammen, dem Agentic Multiplayer Protocol. Es regelt, wie Menschen und Agenten auf der Plattform zusammenarbeiten: mit gemeinsamem Kontext, einer Identität, die Sie vergeben, und Befugnissen, die Sie begrenzen.
Die erste Frage nach einer Keynote lautet meist, was davon heute schon läuft. Die mittlere Spalte beantwortet sie:
- JA: mit passender Lizenz heute aktivierbar
- TEILWEISE: ein Teil ist verfügbar, der auf der Keynote gezeigte Ausbau nicht
- NEIN: Ankündigung ohne Liefertermin
Rechts steht unverändert, wie Atlassian selbst den Stand bezeichnet. Ein Klick auf eine Ankündigung zeigt, worum es sich handelt.
| Ankündigung | Heute einsetzbar | Stand laut Atlassian |
|---|---|---|
AMPAtlassians Grundlage für die Zusammenarbeit von Menschen und Agenten. Jeder Agent erhält eine Identität, begrenzte Befugnisse und gemeinsamen Kontext mit dem Team. Quelle: Atlassian Blog | NEIN | vorgestellt, kein Termin genannt |
Agent Sessions in JiraLokale und Cloud-Läufe von Agenten verknüpfen sich automatisch mit dem Jira Work Item. So sieht das Team im Ticket, was ein Agent bearbeitet hat. Quelle: Atlassian Blog | TEILWEISE | Basis (my agent sessions) seit 2026-07 verfügbar, die gezeigte Verknüpfung lokaler Läufe vorgestellt |
Rovo WorkNeuer Modus in Rovo Chat für mehrstufige Aufgaben. Rovo schlägt einen Plan vor, Sie geben ihn frei, dann arbeitet Rovo in einer Sandbox über Jira, Confluence und angebundene Tools. Quelle: Atlassian Blog | NEIN | vorgestellt, kein Termin genannt |
Atlassian Guard PremiumErweiterung von Atlassian Guard, die sensible Inhalte findet, einstuft und schützt, auch rückwirkend und in Anhängen. Dazu kommen Leitplanken für Rovo Chat und angebundene Tools. Quelle: Atlassian Blog | TEILWEISE | Produkt verfügbar, gezeigter Funktionsumfang als Erweiterung vorgestellt |
EU AI InferenceBeschränkt die Verarbeitung durch Sprachmodelle auf Modelle, die in der EU gehostet sind. Gedacht für sensible Daten, die die EU nicht verlassen sollen. Quelle: Atlassian Blog | NEIN | angekündigt, kein Termin, keine Lizenzvoraussetzung genannt |
Agent Accounts, Non-Human Identity InventoryEigene Konten für Agenten und eine zentrale Übersicht aller nicht menschlichen Identitäten. Administratoren verwalten darüber Agenten, Apps und Servicekonten und entziehen Zugriffe per Schalter. Quelle: Atlassian Blog | NEIN | „soon“, kein Termin genannt |
Atlassian MCP ServerSchnittstelle nach dem Model Context Protocol. Darüber greifen beliebige KI-Agenten auf Jira, Confluence und weitere Atlassian-Produkte zu. Quelle: Atlassian Blog | JA | allgemein verfügbar, Jira Service Management folgt |
Stand der Tabelle: 2026-10-07. Was heute in der Spalte NEIN steht, kann sich in wenigen Monaten ändern. Fest einplanen lässt es sich bis dahin nicht.
Agent Sessions bringen Agentenläufe ins Ticket
Für den Alltag halte ich Agent Sessions für die wichtigste Neuerung. Ein Coding-Agent arbeitet heute meist im Terminal oder in der IDE. Das Team sieht davon im Ticket wenig. Künftig verknüpfen sich lokale und Cloud-Agentenläufe automatisch mit dem Jira Work Item.
Ein Mensch beschreibt die Aufgabe im Work Item, ein Agent bearbeitet sie, das Team prüft das Ergebnis am selben Ort. Wer später nachvollziehen will, was passiert ist, findet es dort.
Die Basis gibt es schon. My agent sessions ist seit 2026-07-08 für Jira Cloud Standard, Premium und Enterprise verfügbar, sofern Rovo aktiviert ist. Die persönliche Startseite zeigt laufende Sessions, blockierte Agenten und Ergebnisse, die auf ein Review warten. Für Portfoliomanager kommen agentische Updates in Focus hinzu. Sie fassen Fortschritt und Zielsignale über Projekte hinweg zusammen.
Rovo Work und der Schutz der Daten
Rovo Work ist ein neuer Modus in Rovo Chat für mehrstufige Aufgaben. Sie geben ein Ziel vor, Rovo schlägt einen Plan vor, Sie passen ihn an und geben ihn frei. Danach arbeitet Rovo über Jira, Confluence und angebundene Tools hinweg, laut Atlassian auch über Stunden. Das läuft in einer Sandbox, die Ihre Administratoren steuern.
Ob Unternehmen solche Agenten zulassen, hängt am Datenschutz. Deshalb sind mir zwei weitere Ankündigungen genauso wichtig. Guard Premium findet und klassifiziert sensible Inhalte, auch rückwirkend über die gesamte Site und in Anhängen. Zusätzlich setzt es Leitplanken für Rovo Chat und angebundene Tools.
Die EU AI Inference beschränkt die Verarbeitung durch Sprachmodelle (LLM) auf Modelle, die in der EU gehostet sind. Heute gehen Rovo-Daten laut Atlassian Trust Center standardmäßig an externe LLM-Anbieter wie OpenAI. Atlassian-gehostete Modelle gibt es bisher nur für berechtigte Enterprise-Organisationen auf Anfrage. Bei Kunden aus regulierten Branchen ist der Ort der Verarbeitung meist die erste Frage. Die Rechtslage dazu steht ausführlich in unserer FAQ zu DSGVO und EU AI Act.
Termine und Kosten sind offen
Agent Accounts und das Non-Human Identity Inventory kündigt Atlassian nur für „soon“ an. Gerade diese Verwaltung brauchen Administratoren, bevor sie Agenten breit freigeben. Für die EU AI Inference nennt Atlassian weder Termin noch Lizenzvoraussetzung. Der MCP Server bindet Jira Service Management erst später an.
Zu den Kosten finde ich in den Ankündigungen nichts. Offen bleibt etwa, wie Atlassian eine stundenlange Aufgabe in Rovo Work abrechnet.
Vor dem Piloten die eigene Instanz prüfen
Agenten arbeiten mit dem Kontext und den Rechten, die eine Site ohnehin hergibt. Rovo bewegt sich innerhalb bestehender Berechtigungen, zu offene Spaces und Projekte sind für Agenten genauso sichtbar wie für Menschen. Wer einen Piloten plant, prüft deshalb zuerst die Berechtigungen der eigenen Instanz.
Die zweite Frage ist der Ort der Verarbeitung. Solange die EU AI Inference kein Datum trägt, gilt der heutige Stand aus dem Trust Center. Ob das reicht, hängt an Branche und Vertrag. Mehr dazu im Abschnitt Auftragsverarbeitung in unserer FAQ zu DSGVO und EU AI Act.
Eine Randnotiz zum Schluss
Am Ende der Keynote fiel in der gesamten RAI der Strom aus. In der Haupthalle blieben die Monitore dunkel. Eine Veranstaltung über Agenten, die stundenlang selbstständig arbeiten, endete ohne Licht und ohne Bild. Als Schlussbild einer Keynote über autonome Arbeit war das schwer zu übertreffen.
Quellen
- The Atlassian platform is for multiplayer human-agent work, Atlassian Blog
- Atlassian MCP brings more of your work within reach of any AI agent, Atlassian Blog
- Introducing my agent sessions, Atlassian Blog
- View and manage agent sessions in Jira, Atlassian Support
- Atlassian Trust Center: AI
- Atlassian Introduces AMP, Pressemitteilung, Atlassian Investor Relations
- Team '26 Europe, Veranstaltungsseite

