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news-informatives · 11. März 2026 · Aktualisiert 5. Juni 2026 · 6 Minuten

Atlassian Cloud Backup 2026: Native Lösung vs. Third-Party-Anbieter im Vergleich

Seit März 2026 ist Atlassians neues Backup & Restore offiziell als kostenpflichtiges Add-on verfügbar. Die alten Backup-APIs wurden am 30. März 2026 abgeschaltet. Reicht die native Bezahl-Lösung von Atlassian aus, oder braucht es weiterhin Third-Party-Anbieter?

Autor

Stephan Hannach

Seit März 2026 ist Atlassians neues Backup & Restore als General Availability für Premium- und Enterprise-Pläne verfügbar. Wir zeigen, wo die native Lösung reicht und wo Third-Party-Anbieter unverzichtbar bleiben.

Shared Responsibility Model: Wer trägt welche Verantwortung?

Atlassian arbeitet nach dem in der Cloud-Industrie etablierten Shared Responsibility Model. Atlassian übernimmt die Infrastruktur-Stabilität und systemweite Disaster-Recovery-Maßnahmen auf Plattform-Ebene. Die Verantwortung für kundenseitige Datenverluste liegt jedoch beim Nutzer. Das betrifft unter anderem versehentlich gelöschte Projekte, durch Automatisierungen oder Skripte überschriebene Felder und die Erfüllung branchenspezifischer Compliance-Anforderungen.

Für Unternehmen, die ein Informationssicherheitsmanagementsystem (ISMS) nach ISO 27001 oder VdS 10000 betreiben, fordern beide Standards nachweisbare Backup-Prozesse mit definierten Aufbewahrungsfristen, regelmäßigen Wiederherstellungstests und einer klaren Zuordnung von Verantwortlichkeiten.

Atlassian Backup & Restore: Jetzt kostenpflichtig und allgemein verfügbar

Im März 2026 hat Atlassian die neue Backup-Funktion aus der Open Beta (nur Enterprise) in die General Availability auch für Premium-Pläne überführt.

Voraussetzungen und Kosten

Das Add-on ist ausschließlich für Premium- und Enterprise-Pläne mit Jahresabrechnung verfügbar. Standard-Kunden erhalten keinen Zugang. Seit der Abschaltung der v1-Backup-Management-APIs am 30. März 2026 können Standard-Kunden Backups nicht mehr per API automatisieren. Manuelle Exports über den Backup Manager im UI bleiben vorerst bestehen.

Die Preise richten sich nach Nutzerzahl ab 1.000 Nutzer und werden separat für die Jira-Familie (Jira + JSM) und Confluence abgerechnet:

NutzeranzahlJira-Familie / JahrConfluence / JahrGesamt / Jahr
1.0007.000 $5.000 $12.000 $
3.00018.000 $13.000 $31.000 $
5.00030.000 $21.000 $51.000 $
10.00055.000 $39.000 $94.000 $

Technische Limitierungen

Trotz des Schritts zur GA bleiben wesentliche Einschränkungen bestehen:

  • Speicherung: Backups ausschließlich im Atlassian-verwalteten Storage. AWS-S3-Option für Neukunden nicht mehr verfügbar. Aufbewahrung 30 Tage.
  • Größenlimits: Jira-Familie max. 300 GB komprimiert, 7 Mio. Attachments, 50.000 User. Confluence max. 32 GB App-Daten und 7 Mio. Attachments.
  • Attachments: Können optional eingeschlossen werden, ein Fortschritt gegenüber Open Beta.
  • Wiederherstellung: Nur in leere Sandbox/App-Instanz innerhalb derselben Organisation. Keine granulare Recovery. RTO 12 h, RPO 24 h.
  • Data Residency: Aktuell nicht unterstützt. Relevant bei DSGVO und ISO 27001 Annex A.
  • Fehlende Daten: Automation Rules, Assets-Schemata in JSM und Marketplace-App-Daten sind aktuell nicht im Backup enthalten.

Der Markt für Third-Party-Lösungen

Die Limitierungen der nativen Lösung haben den aktiven Markt für spezialisierte Backup-Anbieter vergrößert.

GitProtect

GitProtect positioniert sich mit unbegrenzter Datenaufbewahrung und Disaster-Recovery-Funktionalität im Premium-Segment. Der Jira PRO Plan kostet 4 $ pro Nutzer und Monat; ab 250 Nutzern sinkt der Preis auf 2,63 $. SOC 2 Type II und ISO 27001 zertifiziert, Cross-Platform-Migration und granulare Wiederherstellung auf Issue-Ebene.

Rewind

Automatisierte tägliche Backups mit 365 Tagen Aufbewahrung und unbegrenztem Cloud-Speicher. Ab unter 2,70 $ pro Nutzer und Monat, SOC 2 Type 2 zertifiziert, granulare Point-in-Time-Recovery für Jira (inkl. JSM und Assets), Confluence, Bitbucket und Trello.

HYCU

Suite-Ansatz für die gesamte Atlassian-Produktpalette (Jira, JSM, Confluence, JPD, Bitbucket, Trello, Tempo Timesheets) bei 4 $ pro Nutzer und Monat. Daten im kundeneigenen Storage, granulare Wiederherstellung bis Attachment-Ebene, projektspezifische Backup-Policies.

Revyz

Plattform für Datenmanagement, Compliance und Administration. Backup und granulare Wiederherstellung für Jira, JSM, Assets und Confluence inklusive Versionierung, Audit-Log-Archivierung über die nativen Limits hinaus und Schutz von Marketplace-App-Daten (u. a. JSU, Xray, ScriptRunner). Ab ca. 3,20 $ pro Nutzer und Monat, bei 1.000 Nutzern ca. 24.320 $ pro Jahr. Cloud Fortified zertifiziert, mitfinanziert von Atlassian Ventures.

ProBackup

Marketplace-App, die einen eigenen AWS-S3-Account zur Datenspeicherung voraussetzt. Für technikaffine Teams mit begrenztem Budget eine Option.

Atlasteam

Deutscher Anbieter und offizieller Atlassian-Partner für DACH. „Secure Offsite Backup“ startet bei 120 € pro Monat für 1 TB Speicher, unabhängig von der Nutzerzahl. Daten ausschließlich in ISO-27001-zertifizierten Rechenzentren in Deutschland, asymmetrische Verschlüsselung (BSI-empfohlen), CLOUD-Act-frei, AVV nach deutschem Recht erhältlich.

Preisvergleich: Kosten bei 100 Nutzern (monatlich)

AnbieterKosten / MonatAufbewahrungGranulare RecoveryBesonderheit
Atlassian nativnur ab 1.000 Nutzern publiziert (~1.000 $/Monat)30 TageNein (nur Full-Site)Attachments optional, mit Limits
Rewind< 2,70 $/Nutzer365 TageJaSOC 2 Type 2, Point-in-Time Recovery
GitProtect4 $/Nutzer (ab 250: 2,63 $)UnbegrenztJaDR, SOC 2 Type II, ISO 27001
HYCU4 $/Nutzer (Atlassian Suite)KonfigurierbarJaSuite-Ansatz, eigener Storage
Revyzab ca. 3,20 $/NutzerKonfigurierbarJaConfig Management, Audit Logs
Atlasteamab 120 € (1 TB, nutzerunabhängig)KonfigurierbarAuf AnfrageRZ in DE (ISO 27001), CLOUD-Act-frei

Compliance-Anforderungen: ISO 27001, VdS 10000 und NIS-2

ISO 27001

Annex A fordert in A.8.13 Maßnahmen zur Informationssicherung mit definierten Backup-Richtlinien, regelmäßigen Wiederherstellungstests und dokumentierten Verantwortlichkeiten. A.8.14 verlangt Redundanz von Informationsverarbeitungseinrichtungen. Die native Atlassian-Lösung mit 30 Tagen Aufbewahrung und fehlender granularer Wiederherstellung erfüllt in vielen Fällen nicht die Anforderungen, die ein ISMS-Audit erwartet.

VdS 10000

Schlanker, KMU-orientierter ISMS-Standard auf Basis von ISO 27001 und BSI-Grundschutz. Version 2025 macht das Mehr-Generationen-Prinzip zum Standard. Die 3-2-1-Backup-Regel ist de facto Pflicht. Aufwärtskompatibel zur ISO 27001. Mit der VdS 10100 existiert seit Dezember 2025 zudem eine NIS-2-Richtlinie für den Mittelstand.

Was bedeutet das für die Backup-Strategie?

  • Backup-Richtlinie: Dokumentierte Policy mit RPO, RTO und Aufbewahrungsfristen.
  • 3-2-1-Regel: Drei Kopien, zwei Medien, eine extern.
  • Wiederherstellungstests: Regelmäßig und dokumentiert.
  • Datenresidenz: Für DSGVO-pflichtige Unternehmen relevant. Native Lösung unterstützt das aktuell nicht.

Empfehlung nach Unternehmensgröße

Kleine Organisationen (bis 50 Nutzer): Standard-Kunden verlieren mit der API-Abschaltung die Automatisierung. Wer Backups braucht, benötigt eine Third-Party-Lösung. Rewind oder GitProtect decken die Grundanforderungen ab.

Mittelstand (50 bis 500 Nutzer): Atlassians native Lösung kostet bei 1.000 Nutzern bereits 12.000 $ pro Jahr, ohne granulare Wiederherstellung und mit Attachment-Limits. Third-Party-Lösungen bieten für vergleichbare oder geringere Kosten deutlich mehr Funktionalität. Für DSGVO-Fokus und deutsches Hosting sind Atlasteam oder GitProtect interessant.

Enterprise (500+ Nutzer): GitProtect, HYCU und Revyz konkurrieren mit unterschiedlichen Schwerpunkten bei Compliance, Multi-Instance-Management und Integration. Für regulierte Industrien mit SOC 2 oder ISO 27001 und langen Aufbewahrungsfristen sind GitProtect und HYCU spezialisierte Lösungen.

Fazit

Atlassians Schritt zur General Availability ist grundsätzlich zu begrüßen. Die Lösung bietet jetzt einen soliden Basisschutz mit 30 Tagen Aufbewahrung und täglichen Backup-Zyklen. Für die meisten Unternehmensszenarien reicht sie jedoch nicht aus: Granulare Wiederherstellung fehlt, die Aufbewahrung ist auf 30 Tage begrenzt und Data Residency wird nicht unterstützt. Für Unternehmen mit ISMS nach ISO 27001 oder VdS 10000 ist eine rein native Strategie in den meisten Fällen nicht ausreichend. Die Investition in eine Third-Party-Lösung, typischerweise zwischen 250 und 400 $ monatlich für 100 Nutzer, ist angemessen, wenn man die potenziellen Kosten eines Datenverlusts oder eines nicht bestandenen Compliance-Audits gegenüberstellt.

Datenstand: März 2026. Preise und Funktionsumfänge unterliegen möglichen Änderungen. Aktuelle Informationen sind bei den jeweiligen Anbietern verfügbar.

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